02.01.2007 20:57
Kampfmannschaft

Die große skrapid.at-Rückschau auf 2006 (Teil 3)

Nachdem das Gastspiel von Georg Zellhofer in (West-)Wien also nach bereits acht Monaten wieder beendet wurde, gab sich das Präsidium abermals auf Trainersuche. Am 4. September wurde man mit einer der wenigen Rapid-Ikonen, die auch internationale Erfahrung und Erfolge als Trainer zu verzeichnen hat, fündig. Da Peter Pacult aber gerade mit Dynamo Dresden um den Wiederaufstieg in die zweite deutsche Liga kämpfte und einen laufenden Vertrag hatte, war das Engagement nicht so einfach zu bewerkstelligen. Rapid-Präsident Rudolf Edlinger am Tag der Entscheidung dazu: „Wir haben uns heute für Peter Pacult entschieden und ich möchte betonen, dass die sehr komplexen Auflösungsmodalitäten ohne der aktiven Mithilfe von Peter Pacult nicht möglich gewesen wären.“  Als „Co“ und Fitness-Trainer konnten einerseits Ex-Rapidler Zoran Barisic und andererseits der Pacult-Vertraute Christian Canestrini  gewonnen werden. Ein „Drei-Stufen-Plan, der kurzfristig ein Einarbeiten mit der Mannschaft, mittelfristig eine Konsolidierung bis zum Winter und langfristig den Angriff auf die Tabellenspitze im Frühjahr vorsieht, wurde vom ehemaligen grün-weißen Torjäger ausgegeben. Ziel war zu Beginn zumindest ein internationaler Startplatz. Dass sich die Situation nach Meisterjahr und Champions-League-Teilnahme ein wenig verzwickter darstellte, als alle zunächst angenommen hatten, bemerkte Peter Pacult aber relativ schnell. Anfangs entfachte er jedoch neue Euphorie und schon das erste Match gegen Salzburg im Hanappi-Stadion sollte diese zunächst auch bestätigen: In einer restlos vollen Hütte sah man eine ausgewechselte Rapid-Mannschaft, die Linke, Zickler und Co. ganz schön in Bedrängnis brachte. Herausragend war damals die Leistung vom Torschützen zum 1:0 Veli Kavlak. Aber auch Marek Kincl, der in diesem Spiel mehr Meter als in den Runden davor zusammen abspulte, sowie der Einstand von Gernot Plassnegger, der gemeinsam mit Andi Dober über die rechte Seite viel Druck ausübte, galten als erwähnenswert. Der Ausgleich von Dudic in der 93. Minute war aber dann wieder symptomatisch für die auch glücklose Phase von Rapid. Ein halbwegs guter Einstand war aber letztlich gelungen.Nur Tage danach folgte die undankbare Aufgabe gegen den Drittligisten Vienna im Cup auf der Hohen Warte anzutreten. Und um den Satz, dass man „in so einem Spiel nur verlieren kann“, auch noch zu unterstreichen, bot Rapid eine wirklich schwache Leistung und die Vienna gewann verdient im Elferschießen mit 4:3. So war die heuer wohl größere Möglichkeit, sich für den UEFA-Cup zu qualifizieren, auch dahin. Gegen Innsbruck gab es in den folgenden beiden Spielen jeweils eine Punkteteilung. Das darauf folgende 4:1 gegen Mattersburg ließ uns von Homepage dann sogar von „der neuen Rapid“ euphorisch berichten . . . wie man sich irren kann!Denn nach der 14-tägigen Ländermatch-Pause setzte es eine wirklich nicht gut ausschauende 0:2-Niederlage in Graz gegen Sturm. Die Grazer, die aufgrund der Vereinsführung von Kartnig und Co. mit drei Punkten Rückstand gestartet waren, überholten damit erstmals unsere Mannschaft. Mit 13 Punkten aus zwölf Spielen fiel Rapid auf den sechsten Platz zurück – nur einen (!) Punkt vor dem Letzten Ried. Und die waren dann auch der nächste Gegner, wobei das 2:2 vor der Blamage, die noch folgen sollte, einstweilen schützte.Auf die 14. Runde samt Niederlage in Altach und heftigen Unmutsäußerungen von Teilen der mitgereisten Anhänger folgte dann der vorletzte Tabellenrang. Und es war Feuer am Dach in Hütteldorf. Der, mittlerweile muss man sagen ehemalige Sportmanager Schöttel dazu: „Die Mannschaft bringt nicht das, was wir erwarten. Sie schafft es nicht einmal, zumindest zweimal hintereinander gut zu sein. Wir sind weit von unserer Selbsteinschätzung entfernt.“Nicht zu Unrecht wurde in den Medien das folgende „Große“ Wiener Derby als „Kellerdreby“ tituliert, spielte doch der Neunte gegen den Siebenten. Ein 1:1 war das Ergebnis, das keinem der beiden Gegner wirklich half.Das Nervenaufreibenste folgte somit in der nächsten Runde. In Graz gegen die Rotjacken ging es um bzw. gegen die „Rote Laterne“ in der heimischen Bundesliga. Doch das Zittern ging weiter. Aus unserem damaligen Bericht: „Das was Admira-Fans jahrelang erleben mussten, hat mittlerweile auch uns Rapidler erwischt: Ein Zittern um einen längst fälligen Befreiungsschlag, der nicht nur aus der Krise sondern auch aus dem Tabellenkeller führen könnte. Aber nach dem 1:1 trotz spielerischer und dann auch numerischer Überlegenheit von Rapid beim GAK bleibt es bei der sportlich tristen Situation in Hütteldorf. Dass nach der 1:0-Führung durch "Jimmy" Hoffer ein dezimierter GAK ganz am Schluss noch den Ausgleich erzielte, spiegelt die zur Zeit unbefriedigende Situation wider.“In der 17. Runde kam Pasching nach Hütteldorf. Und obwohl ein 1:1 gegen die Oberösterreicher an und für sich keine Schande sein muss, und auch die Austria uns vor dem letzten Tabellenrang bewahrte, brachen nach diesem Spiel nicht alle, aber zumindest einige Dämme: An die 200 Anwesende stürmten den Platz und bedrängten und beschüttenden den 524maligen Rapid-Spieler und Sportdirektor Peter Schöttel, der sich am Feld der Menge stellte. Der schockierte Klubservice-Leiter Andy Marek meinte danach in einem viel beachteten offenen Brief unter anderem dazu:  „Was passiert ist, haben wir leider gesehen. Fans fangen sich untereinander an zu beschimpfen, Kinder und Frauen rennen nach dem Spiel am Rasen umher und lassen sich auf der Trainerbank fotografieren, während andere Peter Schöttel, mich und Mitarbeiter im Klubservice beschimpfen, mit Bier beschütten und jeder irgendetwas anderes fordert. Eine Art und Weise, die ich ebenso wie wohl die überwiegende Mehrheit der Rapid-Anhänger nicht akzeptieren kann und die eines Vereins, ja einer Lebenseinstellung wie Rapid, einfach unwürdig ist.“Peter Schöttel, der sich auch immer wieder mit persönlichen Beleidigungen und Anfeindungen von außerhalb des Vereins konfrontiert sah, zog jedoch die Konsequenzen und gab seinen geplanten Rücktritt vorzeitig an diesem Abend bekannt.Eine Woche nach diesen unrühmlichen Ereignissen kam dann auch der sportlich absolute Tiefschlag. In einem Spiel wie auf einer schiefen Ebene deklassierten die Salzburger unsere Mannschaft mit 4:0. Rapid war somit Letzter der T-mobile-Bundesliga. Einzig die Fans, die sich demonstrativ geschlossen hinter den Verein stellten, waren herausragend. Ein 90minütiger Support in dieser Situation sucht sicherlich seines Gleichen im Fußball, ändert aber leider auch nichts daran, dass die Mannschaft die ominöse „Rote Laterne“ umgehängt bekam.Eine, wenn auch unglückliche Niederlage in Mattersburg bestätigte den Horror.Der ersehnte Befreiungsschlag gelang dann erst im Dezember mit einem Heimsieg gegen Sturm und dem überraschenden Auswärtssieg in Ried. Damit „kletterte“ man nicht nur auf den achten Tabellenrang sondern beendete auch die Katastrophen-Serie von weit mehr als einem Jahr ohne Sieg in der Fremde. Weihnachten war damit fürs Erste gerettet und der Verein konnte seit langem wieder einmal ordentlich durchatmen.Wie dünn das Eis ist, auf dem man sich aber weiterhin bewegt, ist jedem Grün-Weißen klar. Es wartet nicht nur auf den neuen, zu Jahresende präsentierten Sportdirektor Alfred Hörtnagl, ein hartes Stück arbeit, um die Mannschaft wieder dorthin zu führen, wo wir sie alle sehen wollen: Ganz oben!In diesem Sinne wünschen wir uns alle ein sportlich erfolgreicheres Jahr 2007! (ks)P. S.: Ganz besonders möchten wir uns auf diesem Wege auch nochmals bei Rapid-Ikone und Tormanntrainer Herbert „Funki“ Feurer bedanken, der aus gesundheitlichen Gründen seinen Hut nahm. Ihm alles Gute und vor allem viel Gesundheit!

 

Tabelle

Tabelle
Pl. Team Spiele Tore Punkte
1. FC RB Salzburg 36 +50 81
2. FK Austria Wien 36 +22 63
3. SK Sturm Graz 36 +16 60
4. SCR Altach 36 -3 53
5. SK Rapid 36 +10 46
6. FC Flyeralarm Admira 36 -19 46
7. SV Mattersburg 36 -15 43
8. Wolfsberger AC 36 -19 42
9. SKN St. Pölten 36 -19 37
10. SV Ried 36 -23 35