01.03.2016 10:46
Projekt 12, SK Rapid, Akademie, Nachwuchs

Projekt12 geht in die Verlängerung

Expertenrunde mit Geschäftsführer Sport Andreas Müller.

Individual-Fördermodell für die besten Talente

Projekt12, das 2009 vom ÖFB in Zusammenarbeit mit dem Bundesministerium für Verteidigung und Sport sowie der Österreichischen Fußball-Bundesliga initiierte Individual-Fördermodell für die größten Talente des Landes, geht zum zweiten Mal in die Verlängerung. Das erfolgreiche Programm wird bis zumindest 2018 fortgesetzt. Anlass genug, im Rahmen einer hochkarätig besetzten Veranstaltung eine Zwischenbilanz zu ziehen und einen Ausblick auf die Ziele der kommenden drei Jahre vorzunehmen.

Seitens der Projektpartner stellten Bundesminister Mag. Hans Peter Doskozil, ÖFB-Präsident Dr. Leo Windtner, Vorstand der Österreichischen Fußball-Bundesliga Mag. Christian Ebenbauer und Gastgeber Dr. Leodegar Pruschak, Head of Division Marketing der Raiffeisen Zentralbank Österreich AG, das Projekt aus sportpolitischer Sicht dar.

Bundesminister Mag. Hans Peter Doskozil: „Projekt12 ist ein wesentliches Element zwischen Breiten- und Spitzensport. Talente sollen gezielt auf den Spitzensport vorbereitet werden, um später als Spitzensportler wieder Vorbild für den Breitensport zu sein. Das Erfolgsmodell Projekt12 zeichnet sich besonders durch sein umfassendes Gesamtpaket aus.“

 
Ich bin seit zwei Jahren in Österreich und bin sehr positiv angetan, wenn man sieht, wie hier gearbeitet wird. Ich kenne die Arbeit in Deutschland sehr gut und trotzdem kann ich sagen, dass sich die Arbeit in Österreich keineswegs verstecken muss. Ich gehe sogar so weit zu sagen, dass wir hier hervorragend aufgestellt sind. Das Handwerkzeug geben wir den Spielern mit, aber die Eigenmotivation ist ein entscheidender Faktor. Wir bei Rapid legen auch die individuelle Förderung sehr, sehr großen Wert. Ziel ist es, dass die Spieler positionsspezifisch für Rapid ausgebildet werden.
Geschäftsführer Sport Andreas Müller

ÖFB-Präsident Dr. Leo Windtner: „Natürlich war im letzten Jahr das Nationalteam allüberstrahlend, aber es freut mich mindestens genauso, dass sowohl unsere Frauen- als auch Nachwuchs-Nationalteams ebenso tolle Erfolge feiern konnten. Dieser Erfolg kommt jedoch nicht von selbst. Von Beginn an wurde das Projekt12 konsequent verfolgt und durchgezogen. Dazu gehören die Landesverbände, wo man bereits in den LAZ startet, über die Vereine der Bundesliga mit den Akademien ist der Output deutlich erkennbar. Die Entwicklung im österreichischen Fußball wird bei allen Meetings, vor allem auf UEFA-Ebene, sehr interessiert wahrgenommen. Vor zwei Wochen präsentierte Sportdirektor Willi Ruttensteiner beim M6-Meeting, einem Treffen von sechs zentral-europäischen Fußball-Verbänden, das Projekt12. Wir haben dafür Respekt, wenn nicht sogar Bewunderung von den anderen Verbänden für dieses Projekt erhalten.“

 

Zielsetzung

Hauptzielsetzung des Projektes ist die Individualförderung der größten Talente Österreichs im Altersbereich U15-U19. Der einzelne Spieler und seine individuellen Bedürfnisse stehen dabei im Mittelpunkt, jeder Spieler ist sozusagen ein „Projekt“.

Förderung der größten Talente

Projekt12-Kader umfasst derzeit 25 Spielern und 10 Spielerinnen im Alter von 15 bis 19 Jahren, die durch Zusatzprogramme bei den Klubs, in den Ausbildungseinrichtungen und innerhalb von ÖFB-Lehrgängen individuell in den Projektbereichen Fußball, Trainingswissenschaften, Sportmedizin und Sportpsychologie gefördert werden.

Die Individualförderung der österreichischen Talente im Bereich von 12-14 Jahren in den Landesverbandsausbildungszentren (LAZ) wird ebenfalls forciert.

Individualtrainer-Modell

Über einen Individualtrainer-Topf werden hauptamtliche Individualtrainer in den Bundesligavereinen bzw. in den Akademien finanziell gefördert, welche die individuelle Verbesserung der Talente mannschaftsübergreifend übernehmen. Der Trainer muss mindestens über die UEFA-A-Lizenz verfügen. Die geleistete Arbeit ist über die Online-Datenbank zu dokumentieren und wird einem permanenten Controlling durch den ÖFB unterzogen.

Das Individualtrainer-Modell wird aus dem Individualtrainer-Topf, welcher einen Hauptteil des Projekt12-Budgets einnimmt, gefördert.

Die Aufgaben des Individualtrainers stellen sich wie folgt dar:

  • Er ist die Ansprechperson im Verein und Bindeglied zwischen ÖFB und dem Projekt.
  • Als Angestellter des Vereins bzw. Akademie (AKA) muss der Individualtrainer die vorgegebene Arbeitsweise umsetzen und die vier Projektbereiche Fußballspezifischer Bereich, Trainingswissenschaft, Sportmedizin und Sportpsychologie koordinieren.
  • Unter Einbeziehung von Fachleuten aus allen vier Projektbereichen wird ein Individualtrainingsprogramm erstellt.
  • Weitere Aufgabe ist die Durchführung des Individualtrainings vor allem im fußballspezifischen Bereich.
  • In der Online-Datenbank müssen die vier Projektbereiche dokumentiert werden.
  • Ein wichtiger Bereich sind die Spiel- und Trainingsbeobachtungen der betreuten Spieler und die Teilnahme an Projektveranstaltungen.

Die umfassende, professionelle Betreuung bei den ÖFB-Nachwuchs-Nationalmannschaften wird immer weiter ausgebaut. Die Conditioning Coaches und Sportpsychologen bei den Nationalteams werden ebenfalls durch Projekt12 bereitgestellt. So profitiert eine Vielzahl weiterer Talente von der Betreuung.

Online-Datenbank

Die Datenbank ermöglicht das Speichern, Verwalten und Analysieren von spezifischen Daten in einem umfassenden Spielerprofil.

Daten aus den vier Projektbereichen Fußball, Trainingswissenschaften, Sportmedizin und Sportpsychologie werden gespeichert und können benutzerspezifisch abgerufen und ausgewertet werden. Jeder mit dem ÖFB kooperierende Trainer, Sportwissenschaftler und Sportpsychologe verfügt über ein individuelles Benutzerprofil, mit welchem dieser die erforderlichen Informationen in der Datenbank speichern, dokumentieren, verwalten und auch analysieren kann.

In der Datenbank stehen spezielle Analysewerkzeuge in den einzelnen Projektbereichen zur Verfügung, um die erhobenen Daten transparent darstellen und miteinander vergleichen zu können. Somit können aus den Daten Entwicklungen abgelesen werden. In der Datenbank des ÖFB werden auch leistungsdiagnostische Daten der AKA- und der LAZ-Spieler dokumentiert.

Die Umsetzung von Projekt12 ist nur durch die finanzielle Unterstützung des ÖFB, seiner Sponsoren, und der Förderung durch das Sportministerium möglich. Projekt12 hat einen jährlichen Budgetrahmen von € 1.405.000,-.

Dr. Leodegar Pruschak: „Projekt12 ist uns besonders ein Anliegen, da es langfristig und mit Perspektive angelegt ist. Wir glauben an dieses Projekt der Nachwuchsförderung.“

Mag. Christian Ebenbauer: „Die Bundesliga ist Projektpartner von Projekt12 und ist auch im Aufsichtsrat vertreten. Individualförderung ist im Spitzenfußball ein immer wichtigeres Thema. Durch Projekt12 haben die Klubs die Möglichkeit, in diesem Bereich umfassende Maßnahmen zu setzen.“

 
Wir profitieren täglich und langfristig von Projekt12. Derzeit sind wir Herbstmeister in der U15. Später kann aber nicht diese gesamte Mannschaft im Profikader von Rapid stehen. Unsere Aufgabe ist es, alle Spieler bestmöglich auszubilden, sei es für unsere Mannschaft oder ein anderes Team.
Willi Schuldes, Sportlicher Leiter Rapid II, Akademie und Nachwuchsakademie
 

Rapid und das Projekt 12 - aus unserer TV-Sendung RAPIDVIERTELSTUNDE

Willi Schuldes freut sich über fünf Projekt12-Rapidler: Maximilian Wöber, Paul Gartler, Jan Heilmann, Aleksandar Skrbic und Belmin Jenciragic.

Der Projektverantwortliche, ÖFB-Sportdirektor Willi Ruttensteiner, gab Ein- sowie Ausblicke in die Entwicklungsarbeit im Hintergrund und beleuchtete die daraus resultierenden Schwerpunkte, die in der kommenden Periode implementiert werden sollen.

"Derzeit haben wir 25 Spieler und 10 Spielerinnen im Projekt. Wer aufgenommen wird, entscheiden die Nationaltrainer, die Entscheidung machen wir uns nicht leicht. Wenn die Aufnahme erfolgt ist, wird der Athlet oder die Athletin im System angelegt und umfassend analysiert. Zunächst legen wir den Fokus auf die Stärken, anschließend auf die Verbesserungspotentiale. Die Analyse im sportmotorischen Bereich erfolgt auf Basis höchster wissenschaftlicher Standards. Künftig werden wir mit der Individualförderung altersmäßig noch früher ansetzen und die 10- bis 14-jährigen damit noch besser auf die Akademien vorbereiten. Einige Dinge sind, wenn sie nicht in dieser Altersstufe begonnen werden, nicht mehr aufholbar. Zukünftig möchten wir auch Videoanalysen in die Online-Datenbank aufnehmen. In dieser werden alle Untersuchungsergebnisse, Messungen und alle Trainings der Spieler aufgezeichnet. Ansetzen werden wir auch bei der Ausbildung der Conditioning Coaches. Derzeit gibt es noch keine spezielle Ausbildung für den Bereich Fußball. Es wäre ein Riesenfortschritt, wenn man sich künftig im Rahmen des Sportstudiums auf diesen Bereich spezialisieren kann. Dazu werden wir mit den Verantwortlichen der Universitäten und den zuständigen Ministerien in Gespräche treten", so Ruttensteiner.

In der geballten Expertenrunde mit Univ.-Prof. Dr. Erich Müller, Prof. Hans Holdhaus, Univ.-Prof. Dr. Günter Amesberger, Dr. Gerhard Zallinger und Dr. Michael Enenkel wurden die Arbeitsschwerpunkte aus den Projekt-Teilbereichen Trainingswissenschaft, Sportmedizin und Sportpsychologie diskutiert.

Univ.-Prof. Dr. Erich Müller: „Projekt12 ist meines Wissens weltweit das erste und einzige Projekt dieser Art. Wenn ein Land wie Österreich an die Spitze kommen möchte sind zwei Aspekte entscheidend, die Talenteauswahl und die Talenteförderung.“

Prof. Hans Holdhaus: „Individuelle Förderung benötigt ein genaues Wissen über die Stärken und Schwächen des Sportlers. Die Leistungsdiagnostik bietet dabei eine objektive Möglichkeit und ist durch nichts zu ersetzen. Leistungsdiagnostik war in den Individualsportarten immer von großer Bedeutung, bei den Mannschaftssportarten war das nicht immer so.“

Dr. Gerhard Zallinger: „Bei Lehrgängen der Nationalteams werden die Spieler vom Conditioning Coach dort abgeholt, wo sie gerade sind, und bestmöglich auf den Spieltag vorbereitet. Die langfristige Grundlagenarbeit wird bei den Klubs oder in den Akademien geleistet. Die Arbeit beim Nationalteam ist nicht mit der täglichen Arbeit bei den Vereinen und in den Ausbildungseinrichtungen vergleichbar. Früher haben mir Spieler oft erzählt, dass sie in der ersten Zeit beispielsweise in der Deutschen Bundesliga Probleme mit dem körperlichen Level hatten. Das höre ich jetzt eigentlich nicht mehr.“

Univ.-Prof. Günter Amesberger: „In der sportpsychologischen Arbeit im Rahmen von Projekt12 geht es zum einen um die Persönlichkeitsentwicklung im Sinne der Karriere, zum anderen ist es auch Teil der Leistungsanalyse. Durch gezielte Diagnostik können speziell bei Nachwuchsspielern Potenziale und Lernfelder im psychischen und sozialen Bereich erkannt werden.“

Dr. Michael Enenkel: „Gesundheit ist die Grundlage einer Profikarriere. Projekt12 setzt im internistischen und im orthopädischen Bereich an. In der orthopädischen Schiene ist es wichtig, dass man möglichst früh den Bewegungsapparat analysiert. Einmal pro Jahr werden die Spieler dahingehend untersucht. Anschließend werden die Ergebnisse ausgewertet und man kann proaktiv Maßnahmen ergreifen.“

Anschließend ging es für die Veranstaltungsteilnehmer in medias res – nämlich mit dem offiziellen Bus des Nationalteams von K&K Busreisen zum Ernst-Happel-Stadion, wo eine Individualtrainingseinheit mit P12- und Perspetivspielern des SK Rapid auf dem Programm stand.

Quelle: www.oefb.at