Gerhard-Hanappi-Stadion

Im Juni 1971 wurde mit dem Bau des Weststadions, das später zu Ehren seines Architekten in Gerhard-Hanappi-Stadion umbenannt wurde, begonnen. Eröffnet wurde das Stadion jedoch erst knapp sechs Jahre später, nachdem Hanappis Pläne aus Kostengründen nicht hundertprozentig in die Tat umgesetzt werden konnten. Die Fertigstellung erfolgte demnach mit dreijähriger Verzögerung.

Schleppender Beginn trotz großer Spiele

Das erste Meisterschaftsspiel im neuen Weststadion fand am 10.Mai 1977 statt. Rapid setzte sich damals durch einen späten Treffer von Paul Pawlek mit 1:0 gegen die damals bestehende Spielvereinigung Austria/WAC durch. Gerademal 14.000 Zuschauer fanden zur Eröffnung den Weg ins neue, über 20.000 Zuschauer fassende Stadion. Obwohl Rapid in den nächsten Spielen immer wieder für Spektakel und spielerische Feuerwerke sorgte, blieb der große Zuschauerandrang aus. Elf Tage nach dem ersten Spiel wurde VOEST Linz nach einem packenden Kampf mit 5:4 besiegt. Den Last-Minute-Treffer zum Sieg durch Helmut Kirisits sahen aber nur 4.000 Zuschauer. Noch weniger Gäste freuten sich drei Wochen später über ein 3:0 gegen den SK Sturm Graz und den Tiefpunkt gab’s schließlich weitere zwei Wochen später: Rapid wurde von 3.000 Fans angefeuert, als mit einem 11:1 gegen den GAK mit sieben Krankl-Toren mehrere, bis heute gültige Rekorde aufgestellt wurden.

Die offizielle Eröffnung

Die offizielle Eröffnung des Weststadions folgte erst in der folgenden Saison 1977/78. Am 14.September 1977 spielte eine Militärkapelle auf und ein Feuerwerk leuchtete über den Dächern von Hütteldorf, bevor der slowakische UEFA-Cup-Gegner Inter Bratislava durch ein Tor von Walzer mit 1:0 bezwungen wurde. In der Vorwoche des offiziellen Eröffnungsspiels wurde Rapid erstmalig nach sechs Siegen in Serie im Weststadion bezwungen: Die Vienna ging als 1:0-Sieger vom Platz.

Das Wanderjahr

Doch Rapid sollte nicht lange im Weststadion bleiben, da dieses bereits früh in der Saison 1977/78 wegen schwerer Baumängel gesperrt wurde. Rapid wurde somit zum Wandervogel, spielte wieder auf der kurzfristig modernisierten Pfarrwiese, der Hohen Warte und sogar im Horr-Stadion. Erst in der Spielzeit 1978/79 überwand das neue Stadion seine Anlaufschwierigkeiten und wurde mit einem Derby vor 20.000 Zuschauern wiedereröffnet. Tore von Happich, Francker und Krauss sorgten für einen standesgemäßen 3:1-Erfolg und eine gelungene Wiedereröffnung.

Nicht immer populär

Allerdings war das Weststadion nicht immer so beliebt, wie in seinen späten Jahren. Viele Rapid-Fans pilgerten nur ungern in das neue, moderne Stadion. Schnell vermisste man die familiäre und urige Atmosphäre auf der Pfarrwiese. Die neue Heimat aus Beton war im Vergleich zur alten Heimstätte mit ihren einfachen Holzbänken ungeliebt. Die Zuschauerzahlen blieben demnach hinter den Erwartungen, was noch einige Jahre der Fall sein sollte.

Gerhard-Hanappi-Stadion statt Weststadion

Nachdem der Architekt des Stadions, die einstige Vereinslegende Gerhard Hanappi, im Sommer 1980 an Krebs starb, wurde das Weststadion ihm zu Ehren 1981 in Gerhard-Hanappi-Stadion umbenannt. Erst ab 1982 gewann die neue Heimstätte an Beliebtheit. Im Mai holte der SK Rapid mit einem 5:0 über den SSW Innsbruck seinen 26. Meistertitel – das Gerhard-Hanappi-Stadion quoll über, und der Titel wurde von etwa 25.000 Zuschauern bejubelt. In der darauffolgenden Saison verlor Rapid kein einziges Heimspiel und Zuschauerzahlen stiegen allmählich.

Packende Europacup-Fights

1984/85 erlebte Rapid auf dem Weg ins erste Europacupfinale der Vereinsgeschichte gleich mehrere Sternstunden im Gerhard-Hanappi-Stadion: Das 3:1 gegen Celtic Glasgow wurde vom sensationellen 5:0 gegen Dynamo Dresden getoppt, bevor mit einem 3:1 gegen Dynamo Moskau der Finaleinzug realisiert wurde. Bis in die 1990er-Jahre lieferte sich Grün-Weiß packende Europacupduelle mit Teams wie dem FC Brügge, Standard Lüttich und Inter Mailand.

Südtribüne und Block West

Mythos St.Hanappi

Zur wahren Festung wurde das Gerhard-Hanappi-Stadion aber erst in den 2000er-Jahren. Im Jahr 2001 wurde das Stadion runderneuert, standardisiert und durchgängig überdacht. Zusätzlich fanden einige technische Adaptierungen statt, wodurch die Kapazität des Stadions auf 17.500 verringert wurde. Im Oktober 2002 wurde der neu geschaffene Hexenkessel wiedereröffnet. Nun war alles angerichtet für die Entwicklung des „Mythos St.Hanappi“, einen Begriff der von Meistertrainer Josef Hickersberger geprägt wurde und bis zum Abriss des Stadions seine Gültigkeit behielt.

Link: Rundgang durch das Gerhard-Hanappi-Stadion bei Google Street View

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Abschiedschoreografie des Block West

Abschied von einem Kultstadion

Der finale Boom des Gerhard-Hanappi-Stadions, jener beliebten, fast schon verehrten Fußball-Kathedrale zog sich von der Mitte der 2000er-Jahre bis zum Abriss des Kultstadions im Oktober 2014. Wehmütig, aber doch mit großer Vorfreude auf das neue Zuhause Allianz Stadion, nahm die Rapid-Familie Abschied von einer denkwürdigen Spielstätte. In etwa 37 Jahren holte der SK Rapid im Weststadion bzw. Gerhard-Hanappi-Stadion sieben Meistertitel und fünf Cupsiege.

 

Im Inneren des Gerhard-Hanappi-Stadions

Gänsehautmomente

Die letzten Stunden

Zeitraffer des Abschiedsspiels

Abrissparty im Hanappi-Stadion

Das "Nord"-Dach fällt

Abriss: "Domino-Day"