22.01.2010 10:26
Kampfmannschaft

„Das Wunder von Hütteldorf“: Rapid-Dynamo Dresden 5:0

Es gibt Momente im Leben, die vergisst man nicht. Die Geburt eines Kindes, die eigene Hochzeit oder eben als Rapid-Fan jenen 20. März 1985. Rapid, zuvor sensationell gegen Celtic Glasgow ins Viertelfinale des Europacups der Cupsieger aufgestiegen, bescherte das Los Dynamo Dresden als nächsten Gegner. Die „Helden von Manchester“ (das Retourspiel gegen die Schotten wurde auf neutralem Boden ausgetragen, da Rapid-Spieler Weinhofer in Glasgow von einem Gegenstand, geworfen von einem Fan, getroffen wurde) wurden von mehr als 20 Bussen, dutzenden PKWs und Fanfliegern nach Dresden begleitet. Geholfen hat es nichts. Die mitgereisten Rapid-Fans bekamen nämlich maximal einzelne Konter der „Hütteldorfer Kanoniere“ zu sehen. Im Gegensatz zu Dynamo Dresden, die von der ersten Minute an riesigen Druck auf Rapid ausübten. Eine Halbzeit hielt die Abwehr rund um Weber, Lainer, Garger und Brauneder dem Druck stand. In der zweiten Hälfte wurde man von den Deutschen regelrecht überrollt. Am Ende setzte es eine bittere 0:3-Auswärtsniederlage. Es war eine verdiente Niederlage, meinte der damalige Trainer Otto Baric. „Dynamo ist europäische Spitzenklasse. Unser Konter lief nicht“, sagte der heutige Rapid-Coach Peter Pacult.In der DDR sprach man damals vom besten Spiel einer DDR-Mannschaft in der laufenden Europacup-Saison. „Druckvoller Beginn und schöne Tore in der zweiten Hälfte“, resümierte die Zeitung „Neues Deutschland“. Das „Deutsche Sportecho“ schrieb von Toren, wo eines schöner, als das andere war und die Jugendzeitung „Junge Welt“ warnte davor Dresden schon im Halbfinale zu wähnen.„Wir müssen es noch schaffen“, appellierte Hans Krankl an seine Mannschaftskollegen und an das Publikum, das durch zahlreiches Kommen mithelfen sollte, das Unmögliche noch möglich zu machen. Er meinte, dass Rapid in Dresden lediglich einen schlechten Tag erwischt habe, und im Rückspiel noch alles möglich sei. „Unsere Moral ist dadurch nicht gebrochen.“ Und so geschah es, dass am 20. März 1985 ein „Jahrhundertspiel“ (Die Chronik 1899-1999) in Hütteldorf stattfand. „Man spürte, dass die Spieler das Unmögliche machen wollten“, so die Rapid-Chronik. Wie wahr. Bereits in der vierten Minute schoss Pacult per Nachschuss, nach einem verschossenen Elfmeter von Panenka, Rapid mit 1:0 in Front. In Minute 13 hatten die Hütteldorfer großes Glück: Tormann Feurer kann einen Freistoß nicht bändigen, den Abpraller köpft ein Dresdner an die Latte. Nach etwas mehr als einer Viertelstunde das 2:0 für Rapid. Panenka tritt einen Freistoß scharf zu Mitte, Lainer trifft per Kopf.Zu diesem Zeitpunkt fehlte also nur mehr ein Treffer, um den Rückstand aus Dresden endgültig zu egalisieren. In Minute 37 war es endlich soweit. Nach einem Gestocher im Strafraum erkennt Pacult die Situation am Schnellsten und netzt zum dritten Mal für Grün-Weiß. Dies war gleichzeitig der Pausenstand. Kurz vor der Rapid-Viertelstunde (70.) erhöht Panenka per Elfmetertor zum 4:0. Doch ein Gegentor der Ostdeutschen hätte alle Hoffnungen vom Aufstieg zunichte gemacht. Doch in der 78. Minute war der Aufstieg Gewissheit. Krankl fängt einen Querpass ab und trifft zum 5:0. Zum Spiel meinte Hans Krankl: „Es ist ein Wahnsinn, ich kann es noch gar nicht fassen. Es freut mich mehr als in Manchester, weil ich diesmal wieder dabei war. Das Publikum, die Mannschaft hat gespielt, so etwas habe ich die letzten Jahre nicht erlebt. Wo wir die Kraft hergenommen haben, die Tore, ein Wahnsinn. Es war die beste Rapid-Mannschaft, in der ich je gespielt habe. Bei mir ist es seltsam, je älter ich werde, umso besser bin ich, wie beim Wein – a Waunsinn.“ „Während die völlig demoralisierten Dresdener enttäuscht vom Rasen gingen, spendeten die 16.000 Fans den Rapidlern, die noch eine jubelnde Ehrenrunde drehten, begeistert Beifall“, schrieb die APA 1985 und Peter Pacult suchte nach Gründen für diesen Erfolg: „Das Positive war die Einstellung vor dem Spiel, das war entscheidend.“ Die „Berliner Zeitung“ schrieb von der bittersten Niederlage in der Geschichte Dynamo Dresdens.  Die „Agence France Press“ meldete ein „Exploit“ Rapids. Die Wiener hätten mit einer tollen Leistung eine nach dem 0:3 vom Hinspiel mehr als gefährliche Situation noch zu ihren Gunsten entschieden. Schließlich stufte auch die „Associated Press“ die Vorstellung Rapids als „außergewöhnliches Comeback“ ein.Am Wochenende kommt es nach fast 25 Jahren zu einem erneuten Aufeinandertreffen der beiden Teams.Unsere Mannschaft absolviert heute um 14:30 Uhr im Rudolf Harbig-Stadion in Dresden ein Testspiel gegen den deutschen Drittligisten Dynamo Dresden. Das Rudolf Harbig-Stadion, wie es in der aktuellen Form existiert, wurde im September 2009 eröffnet und verfügt über etwas mehr als 32.000 Plätze. Auch einige hundert Rapid-Fans werden mit nach Dresden und ihr Bestes geben, um nicht erneut mit einer 0:3-Niederlage im Gepäck nach Wien zurück zu reisen. Dynamo Dresden – SK Rapid im Rudolf Harbig-Stadion in DresdenSamstag, 23. Jänner 2010Beginn: 14:30 Uhr Spieldaten von damals:Hinspiel am 6. März 1985: Dynamo Dresden – SK Rapid 3:0 (0:0)Zuschauer: 36.000Torfolge: 1:0 Trautmann (47.), 2:0 Minge (57.), 3.0 Kirsten (82.)Gelbe Karten: Lainer, WeberDynamo: Jakubowski, Dörner, Döschner, Trautmann, Häfner, Stübner, Pilz, Schuster, Kirsten, Minge (ab 81. Losert), Gütschow (63. Lippmann) Trainer: Sammer SK Rapid: Feurer, Weber, Lainer, Garger, Brauneder, Gröss (62. Stadler), Krnjcar, Brucic, Willfurth, Krankl, Pacult Trainer: Baric Rückspiel am 20. März 1985: SK Rapid – Dynamo Dresden 5:0 (3:0)Zuschauer: 16.400 Torfolge: 1:0 Pacult (3., Foulstrafstoß im Nachschuss, vorher Panenka Pfosten), 2:0 Lainer (17.), 3:0 Pacult (37.), 4:0 Panenka (70. Foulstrafstoß), 5:0 Krankl (77.) Gelbe Karten: Willfurth, Weber, DöschnerSK Rapid: Feurer, Weber, Lainer, Garger, Brauneder, Willfurth, Brucic, Panenka, Kranjcar, Krankl, Pacult Trainer: BaricDynamo: Jakubowski, Dörner, Döschner, Trautmann, Schuster, Häfner, Stübner, Pilz (82. Losert), Kirsten, Minge Gütschow (53. Lippmann) Trainer: Sammer(chb/gub)