14.09.2026Verein

Il Genio wird 60 Jahre jung

Ein Vierteljahrhundert nach seinem Gastspiel beim SK Rapid feiert der einstige Weltstar Dejan Savićević einen besonderen Geburtstag:

Es war ein Transfer, der im Sommer 1999 in ganz Europa für Schlagzeilen sorgte. Der damals 32-jährige Dejan Savićević kam als neue grün-weiße Nummer 10 nach Wien-West-Hütteldorf und sollte auch hier zum bewunderten Publikumsliebling werden. „Il Genio“, wie er ehrfurchtsvoll aus seiner erfolgreichen Zeit bei der AC Milan genannt wurde, war mit Sicherheit einer der besten Fußballer, der jemals das Rapid-Trikot getragen hat, auch als Routinier brachte er mit seinen Qualitäten das Publikum bei seiner letzten Karrierestation wiederholt zum Staunen.      

Savićević kam aus seiner Heimatstadt Podgorica, heute Hauptstadt von Montenegro und bis 1992 als Titograd bekannt, als 18-jähriges Supertalent zu Roter Stern nach Belgrad und schrieb schon dort Geschichte. Anfang der 1990-er-Jahre holte er mit dem „Crvena zvezda“ dreimal die Meisterschaft (einmal das Double) und als Höhepunkt 1991 den „Henkelpott“. Im Finale im Stadio San Nicola zu Bari holte er mit seinen Mannschaftskollegen (darunter großartige Kicker wie Siniša Mihajlović, Darko Pančev oder Robert Prosinečki) den Europapokal der Landesmeister nach einem 5:4-Sieg im Elfmeterschießen gegen Olympique Marseille. Im Halbfinale eliminierte Roter Stern niemand Geringeren als den FC Bayern München, beim Hinspielsieg im mit 67.000 Fans gefüllten Olympiastadion erzielte „Dejo“ das Goldtor zum 2:1-Sieg!       

Der Maestro in Aktion! © GEPA

Im Sommer 1992 wechselte er für eine hohe Ablösesummer aus Belgrad nach Mailand. Mit der Associazione Calcio Milan feierte er Titel um Titel, als absolutes Highlight bleibt das UEFA Champions League Finale vom 18. Mai 1994 im Athener Olympiastadion „Spyros Louis“ in Erinnerung. Mit den Rossoneri zerlegte er das Starensemble des großen FC Barcelona (u.a. mit Romário, Hristo Stoichkov, Pep Guardiola oder Ronald Koeman und dem ikonischen Johan Cruyff als Coach) regelrecht und war an zwei Treffern beim 4:0-Kantersieg direkt beteiligt. Die Führung durch Daniele Massaro leitete er perfekt vor und das 3:0 besorgte er kurz nach Seitenwechsel mit einem genialen Heber gleich selbst. Zudem holte er dreimal den Scudetto, einmal die Supercoppa und zum Drüberstreuen 1995 den UEFA-Supercup!      

Dejan Savićević bei einem seiner letzten Auswärtsspiele in gewöhnungsbedürftigen Outfit. © GEPA

Das Nationalteam des später zerfallenen Jugoslawien prägte er über Jahre, das erste seiner fast 60 Länderspiele bestritt er unter der Trainerlegende Ivica Osim, zweimal nahm er an Weltmeisterschaften teil. Die Europameisterschaft 1992 verpasste Savićević aus tragischen Gründen, das sportlich qualifizierte Jugoslawien wurde wegen des Krieges auf dem Balkan von der UEFA vom Turnier ausgeschlossen, die für sie nachgerückten Dänen wurden später sensationell Europameister!

Für Rapid brachte es „Il Genio“ in seinen zwei Saisonen auf 54 Pflichtspieleinsätze, 20 Treffer stehen in den Vereinsannalen zu Buche. Sein Debüt feierte er am 7. Juli 1999 gegen Schwarz-Weiß Bregenz im St. Hanappi. Von den rund 12.600 Fans kamen sicher mehr als die Hälfte wegen Savićević, der schon beim Aufwärmen gefeiert wurde, ins Stadion. Nach knapp einer Stunde wurde er für den deutschen Stürmer Angelo Vier eingewechselt, selten zuvor brandete beim Anzeigen eines Spielertausches (damals fachgerecht vorgenommen vom noch jungen Masseur Wolfgang Frey) so lauter Jubel auf. Kurz vor Spielende verwandelte der Neo-Zehner dann auch noch einen Elfmeter zum 2:0-Endstand.

Historisch: Dejan Savicević wurde in seinem ersten Rapid-Match nach knapp einer Stunde eingetauscht. Angezeigt wurde der Wechsel formvollendet von Masseur Wolfgang Frey! © GEPA

Noch mehr Einsätze und Tore verhinderte leider die sensible Muskulatur des Fußballgenies, sein von seinem ehemaligen Coach Tomislav Ivić vererbter Satz „Die Maschine kann den Schmerz nicht sehen“ gehörte rasch zum österreichischen Fußball-Sprachgebrauch. Unvergessen bleiben aber auf alle Fälle seine Doppelpacks in seinem ersten Wiener Derby (damals vor nur knapp 16.000 Fans als „Auswärtsmatch“ im Prater-Oval erfolgreich mit 3:0 beendet) und vor über 35.000 Fans im Happel-Stadion bei einer bitteren 2:3-Niederlage gegen den regierenden Doublesieger Sturm Graz. Savićević sorgte in der fünften und zehnten Minute für eine rasche 2:0-Führung, kurz vor Seitenwechsel musste er beim Stand von 2:1 für seine Farben verletzungsbedingt ausgetauscht werden, am Ende stand die Mannschaft von Coach Heribert Weber nach zwei späten Gegentoren mit leeren Händen da. Somit verlor Rapid nicht nur den Anschluss an den späteren Meister FC Tirol, sondern musste die Grazer in der Tabelle ebenfalls vorbeilassen.

Dejan Savićević verpasste die restlichen vier Saisonspiele, in denen Grün-Weiß ohne seinen Superstar nur mehr vier Pünktchen holen konnte. Seine letzten Tore erzielte er am 24. November 2000 auf der Linzer Gugl bei einem spektakulären 3:3 gegen den LASK, nur 4.500 Fans waren Zeugen dieses sporthistorischen Ereignisses. Sein allerletztes Match absolvierte er dann am 19. Mai 2001 vor lediglich 7.200 Fans in Hütteldorf. Bei einem torlosen Remis gegen Austria Salzburg wechselte der damalige Coach Ernst Dokupil den erst 17-jährigen Andreas Ivanschitz für Dejan Savićević ein. Es blieb nur zu sagen: „Grazie Mille, Il Genio – Hvala Dejo!“

Andere Zeiten, andere Sitten: 1999 wurde Dejan Savićević vom jungen Radio Wien-Reporter Martin Lang auf der Bank interviewt. Michi Hatz fungierte als Dolmetsch. © GEPA

Nach seiner aktiven Laufbahn war Dejan Savićević für zwei Jahre (2001 – 2003) Teamchef der serbisch-montenegrinischen Nationalmannschaft. Seit mehr als zwanzig Jahren ist er nun Präsident des Fußballverbandes von Montenegro (FSCG), drei Jahre nach seinem Amtsantritt sorgte er anno 2007 dafür, dass Montenegro als selbstständige Fußballnation in die FIFA aufgenommen wurde. Als Funktionär wurde der Jubilar, der am 15. September 60 Jahre jung wurde, im April 2017 in den FIFA-Rat gewählt. Zuletzt wurde er im Sommer 2025 von zahlreichen Rapid-Fans bejubelt, als er anlässlich unseres Europacupgastspiels beim FC Dečić, unweit seiner Heimatstadt Podgorica, mit einem eigenen Transparent von der mitgereisten Fanszene gefeiert wurde.  

Wir wünschen Dejan Savićević alles Gute zu seinem runden Geburtstag! 

Dejan Savićević wurde 2025 in seiner Heimat Montenegro von den Rapid-Fans freudig begrüßt. © GEPA

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