16.02.2019
Geschichte, Verein

Zum 90er von Gerhard Hanappi

Grün-Weißes Universalgenie

Heute wäre Gerhard Hanappi 90 Jahre alt geworden. Vielfacher Meister, langjähriger Rekordinternationaler, Architekt. Er prägte den österreichischen Fußball im Allgemeinen und den SK Rapid im Speziellen wie kaum ein anderer. Eine Würdigung für den viel zu früh verstorbenen „Gschropp“.

Obwohl Gerhard Hanappis Herz schon in Kindheitstagen für Rapid schlagen soll, beginnt der gebürtige Meidlinger seine Karriere bei Wacker Wien. Zuvor lernte er das Fußballspielen, wie so viele andere, auf der Straße. Die beste Schule für den Fußball, wie sein langjähriger Teamkamerad Ernst Happel immer wieder betonte.

Mit 17 Jahren wird er schließlich in die Kampfmannschaft von Wacker geholt und gewinnt sogleich 1947 das Double. Sein Wunsch für Rapid zu spielen, wird durch einen spektakulären Wechsel ermöglicht: Wacker will Hanappi nicht ziehen lassen, woraufhin Franz Binder, damals Rapids Sektionsleiter, Hanappi „entführt“. Für den unerlaubten Wechsel wird dieser sechs Monate gesperrt, bevor er überhaupt das erste Mal im grün-weißen Trikot auflaufen darf.

In den nächsten Jahren gehört Hanappi zur vermutlich stärksten Rapid-Generation aller Zeiten. Von 1950 bis 1964 spielt „der Gschropp“, wie Hanappi aufgrund seiner Körpergröße genannt wird, für den Rekordmeister. Dabei hat er erheblichen Anteil an der Titelsammlung: er wird sieben Mal Meister und einmal Cupsieger. Darüber gewinnt er den Zentropacup und dringt in der Saison 1960/61 bis ins Halbfinale des Meistercups vor.

In diesen Jahren erweist er sich als sichere Stütze der Mannschaft: In den Saisonen 1951/52 bis 1963/1964 kommt er lediglich bei 17 von 338 Meisterschaftsspielen nicht zum Einsatz. Insgesamt steht er 394-mal auf dem Platz, von 1957 bis 1964 führt er die Hütteldorfer als Kapitän aufs Feld. Dabei kommt Hanappi auf jeder Position zum Einsatz. Er beginnt seine Karriere als Verteidiger, rückt dann aber ins Mittelfeld auf und spielt zum Teil auch im Sturm. Allein in der Liga schießt er so 114 Tore. Kein Wunder dass er entsprechend 1999 ins Jahrhundertteam des SK Rapid gewählt.

Dokumentation über Gerhard Hanappi von seiner Enkelin Katalin Hanappi!

Nationalteam und die Karriere nach der Karriere

Auch im österreichischen Nationalteam feiert Hanappi große Erfolge und wird Dritter bei der Weltmeisterschaft in der Schweiz 1954. Insgesamt kommt er auf 93 Nationalteam-Einsätze und ist damit lange Zeit Rekord-Teamspieler. Ab 1955 führt er das Nationalteam als Kapitän auf das Feld.

Eine besondere Ehre wird Hanappi 1953 zuteil: er wird – gemeinsam mit Ernst Happel und Walter Zeman – in die FIFA-Weltauswahl berufen. Zum Abschluss seiner Karriere wird ihm 1965 das Goldene Verdienstzeichen der Republik Österreich verliehen. Als erstem Fußballer überhaupt!

Dass sein Talent nicht nur im Fußball liegt zeigt Hanappi auch früh: Neben seiner Tätigkeit als Fußballspieler widmet er sich dem Studium der Architektur. 1965 eröffnet er sein eigenes Büro und erhält in Folge einige Aufträge der Stadt Wien. 1969 plant er das „Sportzentrum West“. Nach mehreren Budget-Kürzungen bleibt von diesem groß angelegten Projekt nur noch das Kernstück: das Weststadion. Dieses wird mit einiger Verspätung – ohne Verschulden Hanappis – 1977 eröffnet. Hanappi selbst ist zu diesem Zeitpunkt schon von seiner schweren Krankheit gezeichnet. Der ehemalige Sunnyboy und Werbeträger tritt fast nur noch mit langem Mantel und Sonnenbrille auf. 1980 stirbt er schließlich an Lymphdrüsenkrebs. Ein Jahr später wird das Weststadion ihm zu Ehren in Gerhard Hanappi-Stadion umbenannt.

Nach dem Abriss des Stadions 2014 wird der neu entstandene Vorplatz der grün-weißen Heimstätte in „Gerhard-Hanappi-Platz“ benannt. 2017 wird darüber hinaus ein – von ihm geplanter – Gemeindebau in Ottakring nach dem „Gschropp“ benannt. (lr)

Im Mai 2016 zierte Gerhard Hanappi das Cover des ballesterer Fußball Magazins - hier findet Ihr diese besonders lesenswerte Ausgabe!

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