Rapid im Nationalsozialismus

Der SK Rapid im Nationalsozialismus

Der SK Rapid ist auch in der Zeit des Nationalsozialismus sportlich erfolgreich. Am 8. Jänner 1939, dem 40. Geburtstag Rapids wird der Sieg im Finale des deutschen Pokalbewerbs gegen FSV Frankfurt gefeiert, am 22. Juni 1941 der Sieg im Finale um die deutsche Meisterschaft gegen Schalke 04. Auch wenn diese Spiele und der damit verbundene Erfolg herausragend sind, wollen wir an dieser Stelle aber anhand einzelner Beispiele einen kurzen Überblick über die Rolle Rapids im Nationalsozialismus geben.

Denn mit dem „Anschluss“ im März 1938 verschwindet nicht nur Österreich von der Landkarte, sondern verändert sich auch der gesamte Fußball und damit auch Rapid selbst. Der SK Rapid und seine Funktionäre passen sich enorm schnell den neuen Verhältnissen an. Der 14 Jahre zuvor in Wien eingeführte Profi-Fußball wird wieder abgeschafft und der Verein übernimmt die von der NSDAP vorgegebenen Einheitssatzungen. Statt einem Vereinspräsidenten gibt es nun einen Vereinsführer, prominente Nationalsozialisten werden in den Verein, bzw. dessen Leitung integriert. Die Hälfte der Mitglieder des Rapid-Vorstands von 1938 bis 1945 werden selbst Mitglied der NSDAP, oder suchen zumindest um eine Mitgliedschaft an.

Auch Vereinsikonen, wie etwa Josef Uridil, oder Leopold Nitsch, werden NSDAP-Mitglied. Ob dies aus politischer Überzeugung oder einfacher Anpassung an die neuen Verhältnisse geschieht, kann heute nicht mehr zweifelsfrei festgestellt werden. Ein Rapid-Spieler wird zwar nicht Mitglied der NSDAP, allerdings zum nationalsozialistischen Täter. Fritz Durlach ist im Februar 1945 an Folterungen in der Rossauer Kaserne beteiligt und wird 1948 entsprechend wegen Kriegsverbrechen zu einem Jahr schweren Kerkers verurteilt.

Manche ehemalige jüdische Spieler und Funktionäre gehen in Folge des „Anschlusses“ ins Exil. So etwa Hans Fischer, der von 1925 bis 1927 Präsident ist und maßgeblich an der Einführung des Mitropacups beteiligt war. Oder Leo Schidrowitz, der in den 1920er- und 30er-Jahren für eine Vielzahl an Rapid-Publikationen zuständig ist. Andere, wie der ehemalige Klubsekretär und Rapid-Namensgeber Wilhelm Goldschmidt oder der ehemalige Stürmer Alfred „Fritz“ Dünmann werden zu Opfern der Shoah. Um an das Schicksal dieser beiden Rapidler zu erinnern wurden 2019 und 2021 Steine der Erinnerung an ihren letzten bekannten Adressen enthüllt.

Über die Rolle von Rapid während des NS-Regimes erschien 2011 nach Auftrag des damaligen Präsidenten Rudi Edlinger eine wissenschaftliche Aufarbeitung. Jakob Rosenberg und Georg Spitaler veröffentlichten diese in Buchform unter dem Titel "Grün-Weiß unterm Hakenkreuz - der Sportklub Rapid im Nationalsozialismus (1938 - 1945). Im Rapid-Shop ist das Werk derzeit vergriffen, alle Infos dazu gibt es aber auf der Homepage des Dokumentationsarchiv des Österreichischen Widerstands, das gemeinsam mit dem SK Rapid auch Herausgeber ist!

Darüber hinaus wird am 1. Juli 2021 im Rahmen des Mitgliedertreffens die neue Broschüre „Deutscher Meister war nur der SCR!“ präsentiert. In ihr wird dieser besondere Titel genauso thematisiert wie die Rolle Rapids im Nationalsozialismus. Ab 2. Juli ist sie dann in unseren Fanshops (online oder vor Ort) verfügbar!

David Forster, Georg Spitaler und Jakob Rosenberg brachten zudem auch in Buchform unter dem Titel "Fußball unterm Hakenkreuz in der Ostmark" ein umfassenden weiteres Werk zum Thema heraus. Alle Infos dazu auf der Homepage des Verlag Die Werkstatt

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